Unser Onlinebewerbungstool auf soziale-berufe.com gibt es seit Herbst 2013. Und immer noch fällt es vielen unserer Einrichtungen schwer, sich darauf einzulassen. Der Passwortschutz, mit dem die eingehenden Bewerbungen aus Datenschutzgründen automatisch versehen werden, ist offenbar eine große Hürde, obwohl es nur ein einziges Passwort gibt, das für alle Bewerbungen gilt. Als „Mehrarbeit“ wird es empfunden, beim Öffnen der Bewerbungen dieses Passwort eingeben zu müssen. Mehrarbeit entsteht auch dadurch, dass die Onlinebewerbungen ausgedruckt „werden müssen“ (Steht das in irgendeinem Gesetz? Ist es nicht gerade der Sinn von Onlinebewerbungen, dass man den ganzen Papierkram nicht mehr hat und alles auf dem Bildschirm sichten kann?). Bewerber werden gebeten, ihre Unterlagen noch einmal per Post zu schicken, obwohl die Onlinebewerbung absolut vollständig ist, sie werden mit einrichtungseigenen Formularen bombardiert (PDFs), die sie zusätzlich zur vollständigen Bewerbung bitte ausdrucken, ausfüllen und  per Post zurückschicken sollen. Und das Ganze wird nicht eben freundlich rübergebracht. Schön zum Beispiel folgende Stilblüte, die ein Bewerber als Antwort bekam:

Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben längst Bewerbungsstopp für 2014/15. Erschwerte E-Mail-Bewerbungen lehnen wir ab.

Keine persönliche Anrede, kein freundliches Wort (Wie wär’s mit: „Vielen Dank für Ihre Bewerbung und das damit unserem Haus entgegengebrachte Interesse!“), stattdessen gleich zwei versteckte Vorwürfe: Sind Sie zu blöd nachzulesen, dass wir längst Bewerbungsstopp haben? Haben Sie einen Knall, uns unsere superstressige Arbeit noch stressiger zu machen, indem Sie mit sowas Neumodischem wie einer E-Mail-Bewerbung ankommen? Keinerlei Wille, die eigenen Bewerbungsprozesse an die Bedürfnisse der Bewerber anzupassen, statt umgekehrt (Auch schon gehört: „Ihr Onlinebewerbungstool bringt unseren ganzen Bewerbungsprozess durcheinander!“ Hurra, genau das wollten wir erreichen!). Viele machen sich nichtmal die Mühe, bei mir anzurufen, um eventuelle Hürden (Passwort) gemeinsam zu überwinden, obwohl das den Empfängern der Onlinebewerbungen in der automatischen Benachrichtigung angeboten wird. Aller Frust wird gleich auf den Bewerber losgelassen. Von manchen, nicht von allen wohlgemerkt.

Weil ich weiß, dass das oft so abgeht, schicke ich jedem Bewerber eine Mail, dass ich gerne vermittele, falls er/sie von der Einrichtung keine oder derart komische Rückmeldungen bekommt. Die Bewerber wissen das sehr zu schätzen:

Vincent: Ich bedanke mich herzlich für Ihre Hilfe und werde sie dankbar annehmen, wenn es Komplikationen gibt!

Philipp: Ich bin zum Vorstellungsgespräch eingeladen! Ich bedanke mich für Ihre Fürsorge meiner Bewerbung bezüglich und wünsche noch eine sonnige Woche.

Marcus: Vielen Dank für Deine Infos und Dein Hilfsangebot! Ich werde mich gerne an Dich wenden, falls ich Hilfe brauche.

Und ich helfe. Ich stecke meine ganze Energie da rein, den Frust für die Bewerber zu minimieren. Ich bedanke mich für die Rückmeldungen und die Unterstützung dabei, unseren Service zu optimieren. Ich überzeuge die Einrichtungen, wenigstens diese erste eingegangene Onlinebewerbung jetzt einfach mal anzunehmen, bevor ich sie, wenn ihnen das lieber ist, komplett aus unserem Ausbildungsstätten-Navigator entferne, weil das einfach nicht geht, dass wir den Leuten erst anbieten, sich online zu bewerben, und sie dann dafür bestrafen. Der Witz ist: Manche Einrichtungen wollen das. Sie entscheiden sich lieber dafür, auf einen Werbekanal und Bewerber zu verzichten, als dafür umzudenken und zeitgemäße Wege zu gehen. Fachkräftemangel, hallo??? Langsam gehen mir die Argumente und die Puste aus. Gut, dass ich heute einen schönen Artikel bei personalmarketing2null.de-Blogger Henner Knabenreich gesehen habe, der vielleicht aufrütteln kann:

“Candy Date” Experience – Studie zu Bewerbererwartungen zeigt die traurige Realität

Allseits superenttäuschte Bewerber, Leute, so geht das nicht weiter! Als Hoffnungsschimmer zum Schluss will ich aber doch sagen, dass es auch viele Einrichtungen gibt, die die Vorteile und Notwendigkeit der Onlinebewerbung erkannt haben und uns positive Rückmeldungen geben:

Wir sind begeistert! Das Onlinebewerbungstool auf soziale-berufe.com ist eine große Bereicherung für unser Bewerbungsverfahren.

Wir haben seit einiger Zeit alle unsere Schulen mit dem Onlinebewerbungstool verlinkt und merken, dass die heutige Generation dieses Angebot sehr gerne nutzt. Zu Beginn gingen bei uns über Ihr Bewerbungstool vereinzelt Bewerbungen ein. Inzwischen erhalten wir immer mehr und wirklich gute Bewerbungen auch aus weiter entfernten Regionen. Unsere Sekretariate geben sehr positive Rückmeldungen! Vielen Dank für Ihren Einsatz, Ihre fachliche Kompetenz und Ihre Kundenfreundlichkeit!

Elke Schübert, Öffentlichkeitsarbeit, im Namen der Geschäftsführung des Diakonischen Instituts für Soziale Berufe – Gotthilf-Vöhringer-Schule in Wilhelmsdorf

Wenn sowas nicht auch käme, hätte ich die Brocken schon längst hingeschmissen.