Kaum ein junger Mensch, der nicht nach dem Schulabschluss ein Jahr Work&Travel in Australien macht, mit dem Rucksack auf dem „Banana Pancake Trail“ unterwegs ist oder spätestens im Studium ein Auslandssemester einplant. Der Nachwuchs denkt und lebt global – und ein Arbeitgeber, der attraktiv sein will, muss darauf reagieren.

So verloste das Bäckerhandwerk in seinem Nachwuchsportal www.back-dir-deine-zukunft.de kürzlich ein Praktikum bei einem deutschen Bäcker in Shanghai, ließ die Gewinnerin von ihrer Reise bloggen, und verschenkt aktuell ein iPhone 6 für die richtige Antwort auf die Frage: „Wie profitierst Du von einem Auslandsaufenthalt während deiner Ausbildung?“ Die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten: 1) Du verkürzt Deine Ausbildung um sieben Monate, 2) Du machst Urlaub auf Kosten des Betriebes, 3) Du erlernst landesspezifische Berufstechniken, 4) Du bekommst ein Diplom als Dolmetscher. Auf der Suche nach der richtigen Antwort (die leider superdoof, weil unkonkret und fachchinesisch formuliert ist), wird der Nachwuchs angehalten, sich auf einer eigenen Unterseite zur Ausbildung im Ausland zu informieren.

Die Bäcker! Wer bitte hätte diese Zunft noch vor ein paar Jahren mit dem Duft der großen, weiten Welt in Verbindung gebracht? „Immer mehr Unternehmen in Deutschland wollen ihren Azubis Auslandserfahrungen ermöglichen“, schreiben sie auf www.back-dir-deine-zukunft.de, „So haben 2010 allein rund 1500 junge Menschen mit Unterstützung der Mobilitätsberaterinnen und -berater der Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern einen Teil ihrer Lehre im Ausland absolviert. Im Gegenzug erhielten 500 Auszubildende und junge Fachkräfte aus dem europäischen Ausland Einblicke in Unternehmen in Deutschland.“

Nur die Ausbildungsstätten im Bereich Gesundheit und Soziales tun sich mal wieder schwer. Bis auf den Freiwilligendienst im Ausland und die Karriere als Entwicklungshelfer gibt es wenig (einer breiten Öffentlichkeit bekannte) Möglichkeiten, über den Tellerrand zu schauen. Ein Lichtblick ist der Mariaberg e.V., der seine Altenpflege-, Heilerziehungspflege- und Heimerzieher-Azubis mit dem Leonardo da Vinci Mobilitätsprogramm der EU nach Bozen, Wien, Linz, Manchester und Sibiu in Rumänien schickt, und das Diakonissen-Stiftungskrankenhaus in Speyer, dessen Krankenpflege-Azubis im Dschungel von Honduras oder in einer Ambulanz im bunten Afrika aushelfen. Besser sieht es in den Sozial- und Pflegestudiengängen aus, weil das Auslandssemester an den Hochschulen schon länger Tradition hat. Thorsten, der an der Ev. Hochschule Darmstadt Soziale Arbeit studiert, verbringt es in Stockholm.

In diesem Zusammenhang ein Hoch auf meinen eigenen Arbeitgeber, die Diakonie Deutschland, die mir im Herbst 2014 eine Fortbildung in New York City ermöglichte. Nach langen Nächten in legendären Locations wie dem Village Vanguard, Arlene’s Grocery und dem Groove haben wir tagsüber soziale Projekte in Brooklyn, Queens und Manhattan besucht. Ich sage Danke und: Das ist für mich auf jeden Fall ein guter Grund, meinem Arbeitgeber treu zu bleiben. Wer wissen will, wie’s war – hier ist meine Audioreportage (30min.), die im Rahmen der Fortbildung entstanden ist:

freiheitsstatue_kleinFingerabdrücke für Freiwillige – Ein Streifzug durch die Sozialarbeit in New York City heute

8,4 Millionen Einwohner, jeder fünfte unterhalb der Armutsgrenze, ungezählte illegale Einwanderer, 90 Schießereien im Monat – selbst einem Sozialarbeiter aus Berlin, der einiges gewohnt ist, flößt der Gedanke an die Arbeitsumstände der Kollegen im Big Apple Respekt ein. Maja Roedenbeck Schäfer hat eine Bildungsreise der Paritätischen Akademie nach New York City begleitet, immer auf der Suche nach Antworten auf die Frage: Was macht die Sozialarbeit in den USA und speziell New York City heute aus? Welche Unterschiede zur Sozialarbeit in Deutschland gibt es? Und: Was können wir gegenseitig voneinander lernen?