Dass Facebook für ein rundes Portfolio der Unternehmenskommunikation und des Personalmarketings dazugehört, hat sich inzwischen bei den meisten Arbeitgebern im Sozial- und Gesundheitswesen herumgesprochen. Doch schon wartet der nächste wichtige Kanal darauf, bespielt zu werden: das Arbeitgeberbewertungsportal kununu.com. Hier sind noch sehr wenige diakonische Einrichtungen aktiv, obwohl negative Bewertungen von Mitarbeitern dann einfach so unbeantwortet im virtuellen Raum stehen bleiben. Die Diakonie Michaelshoven geht auf kununu.com mit gutem Beispiel voran. Wir haben mit Dr. Anette Hild-Berg, Leiterin der Akademie Michaelshoven und Verantwortliche für die Strategische Personalentwicklung, gesprochen.

Hier finden Sie ergänzend eine Anleitung zur Nutzung des Arbeitgeberbewertungsportals kununu.com für Sozial- und Pflegeeinrichtungen!

anette-hild-bergFrau Dr. Hild-Berg, seit wann sind Sie bei kununu.com aktiv und wie kam es dazu?

Im Jahr 2008 gab es die erste Bewertung über unser Unternehmen auf kununu.com, ohne dass wir das gesteuert hätten. Mitte Oktober 2014 haben wir uns dann dazu entschlossen, das Arbeitgeberbewertungsportal aktiv zu nutzen, eine Unternehmenspräsentation dort zu erstellen und regelmäßig zu aktualisieren sowie auf Bewertungen zu reagieren. Das war eine bewusste Entscheidung der Unternehmenskommunikation, die auch der Vorstand mitträgt – anders geht es nicht.

Ein Drittel aller Bewerber nutzt kununu.com, um sich über einen Arbeitgeber zu informieren, bevor sie sich dort bewerben, darum ist unser Unternehmensauftritt dort wichtig. Das persönliche Marketing (Empfehlungsmarketing) ist heutzutage die effektivste Form von Personalgewinnung. Wenn jedoch Mitarbeiter Freunden erzählen, bei uns zu arbeiten sei nicht so toll, entsteht ein Schaden, den wir uns nicht leisten können.

Wie läuft es praktisch: Wer kümmert sich um Ihren kununu-Auftritt, wieviel Zeit benötigen Sie dafür?

Wir haben die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Die Pflege des Unternehmensprofils übernimmt die Unternehmenskommunikation. Die Reaktion auf die Arbeitgeberbewertungen übernehme ich als Verantwortliche für die Strategische Personalentwicklung. Über die positiven freuen wir uns, aber meine Arbeit beginnt bei den negativen Bewertungen. Da geht es um Personalthemen, um Führungsthemen. Mitarbeiter fühlen sich häufig nicht genug wertgeschätzt, nicht gesehen, und werden ihren Frust auf kununu.com los. Die Bewertungen sind meist sehr allgemein gehalten. Wir versuchen, sie in unserer Reaktion zu konkretisieren: Worum geht es genau? Nur wenn wir einen konkreten Ansatzpunkt haben, können wir daraus lernen und uns auch verbessern.  Denn etwas Wahres ist an jeder Kritik dran! Es gibt immer einen Anlass. Natürlich wird bei uns kein Mitarbeiter absichtlich verletzt. Aber bei 2000 Mitarbeitern passieren unseren Führungskräften auch mal Fehler. Das ist ganz normal. Und selbst wenn es nur ein subjektiver Eindruck ist – das reicht uns, um die Kritik ernstzunehmen.

Forschen Sie dann nach, von welchem Mitarbeiter die negative Bewertung auf kununu kommt?

Man hat so ein Gefühl, aus welchem Bereich die Kritik kommen könnte. Und meist liegt man damit sicher richtig. Man kennt ja sein Unternehmen und weiß, wo Dinge im Umbruch sind und Missverständnisse entstehen könnten. Wir forschen da aber nicht nach und konfrontieren auch keine Mitarbeiter mit unserem Verdacht. Kununu ist anonym und das soll es auch bleiben. Wir möchten unsere Mitarbeiter nicht entblößen, sondern Vertrauen schaffen, eine Atmosphäre aufbauen, in der klar ist: Man kann mit uns reden. Wir haben bewusst auch die Mitarbeitervertretung mit ins Boot geholt. Durch diese Strategie hoffen wir, erreichen zu können, dass unzufriedene Mitarbeiter beim nächsten Mal erst zur MAV gehen, bevor sie mit ihrer Kritik online gehen. Wir brauchen interne Mechanismen, um Probleme zu lösen. Häufig erfährt man ja gar nichts von den Unzufriedenheiten – dann kann man auch nichts ändern! Wir würden unsere Mitarbeiter übrigens niemals auffordern, uns bei kununu gut zu bewerten.

Haben Sie vorgefertigte Antwort-Bausteine, um auf Kritik bei kununu schnell reagieren zu können?

Nein, wir beantworten jede Bewertung individuell. Das Gießkannenprinzip bringt in den sozialen Netzwerken nichts. Es sind auch nicht so viele Bewertungen, dass der Arbeitsaufwand unüberschaubar wäre, es bindet nicht so viel Personal wie befürchtet. Die letzten zwei Monate ist überhaupt nichts passiert. Gegen Ende vergangenen Jahres gab es vier Bewertungen in einem kürzeren Zeitraum, das war dann schon viel. Ich denke, das wird in Wellen kommen. Wenn es zum Beispiel Umstrukturierungen im Unternehmen gibt, gibt es möglicherweise geballt Anlass zur Unzufriedenheit.

Bekommen Sie Feedback auf Ihre Aktivitäten bei kununu seitens Ihrer Mitarbeiter?

Da wir dort erst seit Oktober 2014 aktiv sind, haben wir das noch nicht evaluiert. Aber wir registrieren hohe Klickzahlen auf unserem Profil auf kununu.com.

Welche anderen zeitgemäßen Methoden der Personalgewinnung verfolgt die Diakonie Michaelshoven?

Wir machen Personalmarketing auf Twitter, Facebook (wo wir zwei Seiten betreiben – eine extra Seite für unser Berufskolleg) und Youtube. Wir sind noch längst nicht am Ziel angekommen, sondern in der Phase der Perfektionierung. Wir möchten uns mit unserem Personal- und Gesundheitsmanagement noch viel stärker als attraktiver Arbeitgeber positionieren.

Welche Tipps haben Sie für diakonische Einrichtungen, die demnächst auf kununu aktiv werden wollen?

Sie müssen sich bewusst dafür entscheiden, dass es einen Nutzen hat, sich in den sozialen Medien zu platzieren, aber dass Sie auch ein Risiko eingehen. Die Bewertungen stehen erstmal für alle Welt einsehbar da, auch wenn sie negativ sind. Diese Unsicherheit müssen Sie aushalten. Wenn Sie das nicht wollen, können Sie das nicht machen.

Wir haben uns klargemacht, dass der Nutzen größer ist als das Risiko. Es geht einfach nicht ohne. Wir machen wirklich gute Erfahrungen mit kununu. Wir machen einen bewussten Schritt in die Auseinandersetzung, wir stellen uns den Knackpunkten. Kununu ist ein interessantes Medium, das wir gerne weiter ausbauen. Wir müssen das auch machen, damit wir als Arbeitgeber marktfähig sind. Wir möchten junge Leute ansprechen, denn das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter liegt bei 44 Jahren, in manchen Bereichen noch höher. Wir brauchen die guten Leute. Und die kriegen wir nicht, indem wir uns nur auf eine Messe für Sozialberufe stellen.

Vielen Dank, Dr. Anette Hild-Berg von der Diakonie Michaelshoven! Und hier noch einmal die Anleitung zur Nutzung des Arbeitgeberbewertungsportals kununu.com für Sozial- und Pflegeeinrichtungen.
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/c0e0bcccf3d5411093e4a12204a36e72" width="1" height="1" alt=""

Hol dir den Personaler-Newsletter "Recruiting to go"!

Deine Daten werden nur für die Bereitstellung des Newsletters genutzt. Die Datenverarbeitung erfolgt bei Mailchimp, USA. Du kannst Deine Einwilligungen jederzeit per Abmeldelink widerrufen. Datenschutz / Newsletter