Die Diakonie Essen hat im September und Oktober 2018 zwei Stellen über die neue Jobs-Funktion von Facebook ausgeschrieben – eine Wohnbereichsleitung und eine Servicekraft. Obwohl es im Bewerbungsverfahren technisch und von der internen Kommunikation her holpert, kamen Bewerbungen für die Stellen zustande, die vorher lange vakant gewesen waren. Momentan laufen die Vorstellungsgespräche, ein Erfolg bahnt sich an. Verantwortlich ist Onlineredakteurin Julia Fiedler.

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Wie haben Sie die Zustimmung im Haus für den Test mit Facebook Jobs eingeholt?

Dass die Jobs-Funktion von Facebook kommt, war ja schon seit Herbst 2017 bekannt. Wir haben rechtzeitig in der Personalabteilung nachgefragt: „Wollt ihr das?“ Die Rückmeldung war nicht unbedingt euphorisch: „Mit Facebook haben wir nichts zu tun, wenn ihr das machen wollt, macht das.“ Die Geschäftsführung hat dann ihr OK gegeben und wir haben losgelegt.

Wie waren die ersten Erfahrungen?

Als erstes hat eine Kollegin eine Anzeige für eine Wohnbereichsleitung bei Facebook Jobs eingestellt. Dieser Erstversuch war nicht so glücklich, denn die Anzeige war unvollständig: Unsere Voraussetzungen für die Stelle fehlten. Die Anzeige wurde dreimal geliked und dreimal geteilt. Wir bekamen acht bis zehn Bewerbungen, die alle nicht auf das Stellenprofil passten. Offenbar konnten sich die Facebook-Nutzer unter einer Wohnbereichsleitung nichts vorstellen. Wahrscheinlich funktioniert es besser für Fachkraftstellen.

Wir bekamen Bewerbungen von Geflüchteten, die kaum Deutsch sprachen, und von jemandem, der eine Scharfschützen-Ausbildung bei der Bundeswehr gemacht hatte. Ich habe mir dann die Anzeige angesehen und die fehlenden Voraussetzungen ergänzt. Bei Facebook Jobs kann man außerdem Fragen hinterlegen, die der Bewerber beantworten muss. Ich habe die Frage hinterlegt: „Was muss eine gute Wohnbereichsleitung können?“ Danach kamen dann tatsächlich ein bis zwei Bewerbungen mit passenden Voraussetzungen. Das Verfahren läuft noch, daher kann ich noch nicht sagen, ob wir jemanden einstellen werden.

Wie gut klappt das Bewerbungsverfahren mit Facebook-Bewerbern?

In der internen Kommunikation zwischen den Abteilungen rumpelt es noch. Obwohl wir vorab das persönliche Gespräch gesucht hatten, war der Personalabteilung anscheinend doch nicht klar, dass Facebook-Bewerbungen nicht mit normalen Bewerbungen zu vergleichen sind. Es fehlen die klassischen Unterlagen wie Lebenslauf und Motivationsschreiben und die Informationen, die wir sonst in unserem normalen Onlinebewerbungsformular abfragen. Die Personalabteilung wollte den Bewerbern gleich absagen. Ich musste noch einmal erklären, dass wir, wenn wir die Bewerbung über Facebook erlauben, auch mit dem dort üblichen Bewerbungsformat umgehen lernen müssen. Nun werden die Bewerber also nachträglich gebeten, ihre Unterlagen vollständig einzureichen. Das ist natürlich nicht ideal.

Auch technisch läuft es nicht optimal: Die Facebook-Bewerbungen gehen über den Facebook Messenger ein und es gibt keine Schnittstelle zu unserem Bewerbermanagement-System (Hat keinen Namen, ist ein von unserer Medienagentur selbst gebautes Modul). Es ist also zu klären, wie man die Bewerber ins System bekommt. Aus dem Messenger kann man sich ein PDF mit der Bewerbung ziehen, in dem aber die Antworten auf die hinterlegten Fragen nicht integriert sind. Die muss man also nochmal extra herauskopieren. Es ist recht viel Arbeit, die ich als Öffentlichkeitsarbeiterin im größeren Umfang nicht stemmen könnte – also wenn wir alle unsere Ausschreibungen über Facebook laufen lassen würden.

Trotzdem haben Sie einen zweiten Versuch gewagt…

Ja, wir haben eine offene Stelle für eine Servicekraft im Gastrobereich, die schon zwei Monate vakant war. Sie ist auf unserer Website, bei der Arbeitsagentur und im Diakonie Karriereportal inseriert, aber es kam keine einzige Bewerbung. Inzwischen ist es uns schon egal, ob die Bewerber eine abgeschlossene Ausbildung haben, wir würden sie auch ohne Ausbildung, dafür mit mehrjähriger Berufserfahrung im Servicebereich nehmen. Jedenfalls habe ich die Anzeige bei Facebook Jobs eingestellt. Diesmal habe ich es besser gemacht: Ich habe locker getextet, denn unsere klassischen Stellenanzeigen sind eher altmodisch und unattraktiv. Dabei habe ich Bezug auf das Teamfoto genommen, das ich integriert habe und auf dem die zukünftigen Teamkollegen zu sehen sind. Außerdem der Aufruf „Wir brauchen dich“.

Zuerst habe ich versucht, die Anzeige als normalen Post einzustellen und mit Facebook Ads zu bewerben, aber das hat nicht funktioniert. Facebook hat die Anzeige abgelehnt. Diese Erfahrung machen im Moment manche Nutzer, dass Stellenanzeigen für Facebook Ads gesperrt werden, obwohl es an anderer Stelle dann doch wieder klappt. Vermutlich liegt es daran, dass Facebook langfristig mit der Jobs-Funktion Geld verdienen will und in der Anfangsphase noch keine klaren Richtlinien hat. Noch ist das Ganze umsonst, aber in Expertenkreisen wird man schon vorgewarnt, dass es sicher bald etwas kosten wird. Sicher werden auch die Funktionen weiterentwickelt werden.

Wie erfolgreich war die zweite Anzeige?

Sie wurde sieben Mal geliked, neun Mal geteilt und zweimal per Kommentar anderen Nutzern weiterempfohlen. Unsere Restaurantleitung ist sehr glücklich, dass über Facebook endlich Bewerbungen hereingekommen sind. Gerade eben noch eine.  Unsere Personalabteilung hat zurückgemeldet, dass es auf die Servicestelle im Restaurant zusätzlich zu den drei Bewerbungen direkt über Facebook eine weitere sehr viel versprechende Bewerbung gegeben hat, bei der der Kandidat den Aufruf auf Facebook gelesen und von dort den Umweg über unser Online-Bewerbungsformular gewählt hat, und eine weitere, bei der die Bewerberin direkt mit Unterlagen ins Restaurant gekommen ist. Wir sind jetzt optimistisch vor dem Weihnachtsgeschäft noch jemanden zu finden.

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Gewöhnt sich denn die Personalabteilung langsam an die Prozesse?

So langsam ja. Trotzdem sind noch viele Fragen offen, zum Beispiel zu Datenschutzaspekten. Bei uns gibt es drei Facebook Administratoren, die unbefugt auf die Bewerberdaten zugreifen können, die ja eigentlich nur in die Personalabteilung gehören. Ich erkläre den Bewerbern darum über den Messenger genau, wohin ich ihre Bewerbung weiterleite und was weiter damit passiert. Andererseits muss man davon ausgehen können, dass jemand, der sich über Facebook bewirbt, sich über die datenschutzmäßigen Konsequenzen klar ist. Wir bieten in der Stellenausschreibung bei Facebook Jobs immer auch an, sich über unser sicheres Onlinebewerbungsformular zu bewerben. Leider kann man den Link nicht wirklich verlinken, sodass der Bewerber sich ihn herauskopieren und in den Browser einfügen muss. Aber zumindest gibt es eine Alternative.

Mir wird klar, dass wir eine bessere Strategie brauchen: Wie formuliert man Stellenanzeigen für die Social Media? Für welche Anzeigen sind welche Kanäle am besten? Was ist mit der Kirchenzugehörigkeit, können wir sie noch als Voraussetzung verlangen? Bei Erzieher-Stellen ist das laut unserer Personalabteilung inzwischen ein ziemliches K.O.-Kriterium. Der Markt ist dermaßen leergefegt, dass zusätzliche Voraussetzungen es unmöglich machen, jemanden zu finden. Wir arbeiten außerdem an einem neuen Karriereportal und an Personalmarketing-Videos.

Haben Sie Tipps für andere Träger, die Facebook Jobs ausprobieren wollen?

Vielleicht hätte man im Vorfeld alle an einen Tisch holen und das Prozedere gemeinsam durchgehen sollen. Andererseits merkt man in den Social Media oft erst, wo es hakt, wenn man es einfach mal ausprobiert und die Reaktionen auswertet.

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