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Altenpflege-Azubis aus dem Kosovo: „Ein Aufruf bei Facebook genügt – und wir haben genug Bewerbungen“

Ich habe schon mehrmals über den Mariaberg e.V. geschrieben, einen sozialen Träger mit 1.700 Mitarbeitenden in abgelegener Lage auf der Schwäbischen Alb. Habe Ausbildungsleiter Michael Backhaus den Titel „Top-Recruiter“ verliehen, einen Film über die Erasmus-Auslandspraktika für Mitarbeiter*innen drehen lassen, über die neue „junge Linie“ in der Öffentlichkeitsarbeit berichtet und über die Nominierung für den ZEIT Karriere Award. Heute möchte ich im Interview mit Personalleiter Alexander Nübling das Ausbildungsprojekt Kosovo vorstellen. Der Mariaberg e.V. ist immer wieder für ein Best Practice-Beispiel gut – eben weil er sich wegen des Standortnachteils ständig etwas Neues einfallen lassen muss, um bei den Bewerbern auf dem Schirm zu bleiben.

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Gesucht und gefunden: Agaplesion Bethanien Diakonie rekrutiert Altenpflegefachkräfte über XING

Andreas Wolff XINGBisher hieß es immer, auf XING seien nur studierte Bewerber zu finden, Fachkräfte für Sozial- und Pflegeberufe eher nicht. Andreas Wolff, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Agaplesion Bethanien Diakonie, weiß es besser: Er hat seine letzten beiden Mitarbeiter über XING gefunden. Wie das geht, erklärt er im O-Ton:

Wir sind die Guten: Initiative für Ausbildung Altenpflege bietet neues Qualitätssiegel für Einrichtungen

Rund 25.000 Pflegeeinrichtungen in Deutschland hat ein Schulabgänger oder Quereinsteiger, der sich für einen Pflegeberuf interessiert, zur Auswahl. Wieso sollte er sich für Ihre entscheiden? Der Ev. Pflegedienst München e.V. , der zur Diakonie gehört, geht einen neuen Weg, um Bewerber von der Qualität der Ausbildung im Hause zu überzeugen: Geschäftsführerin Angelika Pfab ist Mitinitiatorin der „Initiative für Ausbildung Altenpflege“.

Angelika Pfab 1Frau Pfab, was verbirgt sich hinter der „Initiative für Ausbildung Altenpflege“?

Die „Initiative für Ausbildung Altenpflege“ wurde Ende 2014 ins Leben gerufen. Wir haben 12 Kriterien entwickelt, die eine gute Altenpflege-Ausbildung ausmachen. Das sind:

  1. Es gibt eine feste Ansprechperson für die Azubis in der Pflegeeinrichtung.
  2. Die Azubis werden tarifgerecht bezahlt. Die tariflichen Ober- und Untergrenzen des Stundenkontos werden eingehalten.
  3. Die Einrichtung stellt eine vorbildliche Ausstattung mit Dienstkleidung und den notwendigen Arbeitsmitteln zur Verfügung.
  4. Die PraxisanleiterInnen nehmen sich Zeit für regelmäßige Azubigespräche. Der Ausbildungsplan sowie die Beurteilungsbögen werden für jeden Tätigkeitsbereich intensiv besprochen.
  5. Der Einsatz von Feedbackbögen für Auszubildende erleichtert es, Lob und Kritik mitzuteilen und daraus zu lernen.
  6. Die Auszubildenden erhalten eigene Verantwortungsbereiche bei der Patientenversorgung oder in der Organisation der Einrichtung, die sie selbständig betreuen.
  7. Im 3. Ausbildungsjahr gibt es ein besonderes Azubiprojekt. Dieses bietet die Chance, selbständiges Arbeiten zu erproben.
  8. Die Einrichtung fördert die fachliche Entwicklung aktiv durch zusätzliche Lernangebote und praktische Übungen.
  9. Regelmäßige Fallbesprechungen und Erstellen von Pflegeplanungen fördern das Pflegewissen und bereiten auf eine erfolgreiche Prüfung vor.
  10. Die AusbilderInnen nehmen an den Fortbildungsangeboten der Weiterbildungsinstitute für Pflege und der Initiative für Ausbildung teil.

Einrichtungen, die diese 12 Kriterien erfüllen, können sich für unser Siegel „Top-Ausbildungsbetrieb“ bewerben. Bisher ist unsere Einrichtung die einzige, die es trägt, doch wir haben 25 weitere Anfragen. Wir müssen einen kleinen Unkostenbeitrag von 400 Euro pro Einrichtung plus 100 Euro pro Azubi nehmen, damit wir die Initiative weiterentwickeln und Marketing machen können. Das macht das Siegel aber auch seriöser.

Jungen Menschen und Quereinsteigern, die sich als Auszubildende bei Einrichtungen der „Initiative für Ausbildung Altenpflege“ bewerben, garantieren wir, dass die Kriterien eingehalten werden und sie eine wirklich gute Ausbildung bekommen. Wir hoffen, dass wir damit zur Lösung des Imageproblems in der Altenpflege beitragen können!

IfA_siegel_altenpflegeWas haben Sie konkret in Ihrer Einrichtung geändert, um sich das Siegel zu verdienen?

Da ich selber unterrichte, habe ich früher viele Klagen gehört und weiß, worauf unsere Auszubildenden Wert legen: Sicherheit, Vertrauen, feste Ansprechpartner, ordentliche Bezahlung und gute Praxisanleitung. Und diese Dinge bieten wir ihnen: Wir bezahlen nach Tarif. Wir haben drei Praxisanleiter für fünf Auszubildende, die umfangreich geschult und für die Praxisanleitung freigestellt werden. So haben sie Zeit, mit den Schülern die Dinge, die sie in der Fachschule gelernt haben, praktisch einzuüben, und sie auf die praktische Prüfung vorzubereiten. Wir arbeiten mit Beurteilungsbögen, in denen die Auszubildenden Kritik, Sorgen, Nöte und natürlich auch Lob loswerden können. Dieses Feedback nehmen wir absolut ernst, für Kritik ist immer Zeit.

Natürlich haben wir die gleichen Rahmenbedingungen wie alle anderen Pflegeeinrichtungen, auch für uns ist es schwierig. Aber die Haltung macht den Unterschied. Es hat mit der Führung zu tun, ob Ausbildung gut gelingt oder nicht.

Zeigen Ihre Maßnahmen bereits Wirkung?

Wir haben es kürzlich wieder erlebt, dass eine Schülerin mitten in der Ausbildung zu uns gewechselt ist, weil sie mit ihrer vorherigen Ausbildungsstätte unzufrieden war und gehört hatte, dass die Bedingungen bei uns viel besser sind. Inzwischen steht sie kurz vor dem Examen und wir werden sie übernehmen. Die Übernahmegarantie ist ein weiterer Pluspunkt unserer Einrichtung.

Erfolge erleben wir auch im politischen Kontext: Die Arbeits- und Pflegeministerien unterstützen unsere Initiative. Und wenn wir unser Siegel „Top-Ausbildungsbetrieb“ auf Berufemessen einsetzen, wird das von den Bewerbern wahrgenommen.

Planen Sie noch weitere Maßnahmen?

Auch bei uns ist noch nicht alles perfekt. „Initiative für Ausbildung Altenpflege“ bedeutet auch, sich ständig weiterzuentwickeln. So sollen unsere Azubis in Zukunft im 3. Ausbildungsjahr noch stärker eigene Verantwortungsbereiche bekommen. Das kann zum Beispiel eine eigene Azubi-Tour sein, also Einsätze der ambulanten Pflege, bei denen nur leichtere Versorgungen notwendig sind, die die Azubis alleine absolvieren können. Außerdem starten wir gerade drei Quartiersprojekte („Wohnen im Viertel“), bei denen sich eigene Verantwortungsbereiche für Azubis ergeben werden.

Das alles passiert aber nur, wenn der Schüler es auch will und sein Praxisanleiter meint, er sei bereit. Wir haben auch Azubis im dritten Lehrjahr, bei denen das noch nicht funktioniert, die noch Unterstützung brauchen. Aber gerade die 40jährigen Quer- und Wiedereinsteiger, die schon Lebenserfahrung mitbringen, sind schon vor Ende der Ausbildung bereit, Verantwortung zu übernehmen. Und bei manchem jüngeren Azubi stärkt es die Selbstständigkeit und ist es ein tolles Erlebnis, Patienten alleine zu versorgen.

Vielen Dank, Angelika Pfab vom Ev. Pflegedienst München! Und hier alle Infos zur Initiative für Ausbildung Altenpflege.

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