Quereinstieg geht nicht nur im Lehramt und in der Kita, sondern auch in der stationären Jugendhilfe. Kulturpädagog*innen, Lehrkräfte, Hebammen und andere Berufsgruppen können bei der Diakoniestiftung Salem an einem entsprechenden Qualifizierungsprogramm teilnehmen. Man könnte nun fragen: Was soll das bringen? Das eine Quereinsteiger-Programm will Erzieher*innen oder Musikpädagog*innen als Lehrkräfte in die Schulen locken, das andere nun Lehrkräfte aus den Schulen in die stationäre Jugendhilfe abziehen. Mehr Fachkräfte haben wir am Ende nicht, sondern nur ein Hin- und Hergeschiebe von Personal. Man kann es aber auch so sehen: Der Quereinstieg im Trend. Menschen wünschen sich im Laufe ihrer aufgrund des späteren Renteneintritts immer länger andauernden beruflichen Laufbahn nicht nur Arbeitgeberwechsel, sondern immer häufiger auch eine komplette Neuorientierung. Machen wir sie ihnen möglich!

Am 19. April 2026 haben zehn Teilnehmende die berufsbegleitende Weiterbildung „Quereinstieg in die stationäre Jugendhilfe“ der Diakoniestiftung Salem erfolgreich abgeschlossen – einem der größten Arbeitgeber im Kreis Minden-Lübbecke. In 100 Einrichtungen und ambulanten Diensten engagiert sich der Träger für mehr als 3.000 Menschen aller Altersgruppen, die Unterstützung benötigen.

Von den zehn Absolvent*innen des Qualifizierungsprogramms sind sieben Kolleginnen und Kollegen in der Kinderheimat der Diakonie Stiftung Salem tätig, drei Teilnehmende kamen von extern. „Besonders erfreulich ist, dass die sieben internen Absolvent*innen auch über die Ausbildungszeit hinaus in den Wohngruppen eingesetzt werden und ein unbefristetes Arbeitsverhältnis erhalten haben“, heißt es in der Pressemeldung.

Der Hintergrund

Der Quereinstieg in die Jugendhilfe ist ein Qualifizierungsprogramm des Landesjugendamtes. Es richtet sich an Menschen mit artverwandten pädagogischen oder akademischen Berufsabschlüssen – etwa aus Pflege-, Assistenz- oder Therapieberufen – und qualifiziert für die pädagogische Mitarbeit in stationären Wohngruppen der Kinder- und Jugendhilfe.

Die Weiterbildung umfasst 300 Unterrichtseinheiten und verbindet praktische Erfahrungen im Arbeitsfeld mit fundiertem theoretischem Wissen, unter anderem zu rechtlichen Grundlagen, professionellem pädagogischem Handeln und Kinderschutz.

„Der Quereinstieg ist für uns ein zentraler Baustein zur Fachkräftesicherung und zur Stärkung der Qualität in der Kinder- und Jugendhilfe. Er eröffnet engagierten Menschen neue berufliche Perspektiven – und ermöglicht es uns zugleich, motivierte Mitarbeitende langfristig für unsere wichtige Arbeit zu gewinnen“, betont Thomas Lunkenheimer, Theologischer Vorstand der Diakonie Stiftung Salem.

Der nächste Kurs startet im September 2026. Hier geht’s zur Bewerbung!

Das Qualifizierungsprogramm zum Einstieg in die Kinder- und Jugendhilfe im Detail

  • Weiterbildungsdauer: 7 Monate (1 Woche Theorie pro Monat)
  • Nächster Beginn: 21. September 2026
  • Gehalt: Entgeltgruppe 5 AVR DD: 3.257 € brutto / Monat in Vollzeit & Finanzierung der Weiterbildung
  • Form: Berufsbegleitende Weiterqualifizierung
  • Theorie: Evangelische Pflegeakademie Minden
  • Praxis/Einsatzort: in den stationären Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe der Diakoniestiftung Salem in Teilzeit oder Vollzeit

Anforderungen an die Teilnehmer*innen

  • Abgeschlossene Ausbildung oder abgeschlossenes Studium in einem artverwandten pädagogischen / akademischen Fachbereich – z. B. als Pflegefachkraft, Sozialassistent, Physiotherapeut, Ergotherapeut, Bildungswissenschaftler, Lehrer, Familienpfleger, Heilerziehungspfleger, Logopäde, Motopäde, Arbeitspädagoge, Hebamme, Gesundheitspfleger, Kinderkrankenpfleger, Kulturpädagoge, Kunst-, Theater- und Musikpädagoge oder Religionspädagoge (m/w/d)
  • Offenheit für Schicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit

Beispiel für eine Einsatzstätte

Die Kinderheimat in Minden und Rahden unterstützt mit verschiedenen Angeboten und Dienstleistungen Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren in herausfordernden Lebenssituationen. Dank unserer vielfältigen Hilfsangebote können wir maßgeschneiderte und individuelle Lösungen anbieten. Diese reichen von ambulanten Hilfen, über sozialpädagogisch Betreutes Wohnen, Regel- und intensivpädagogischen Wohnangeboten, hin zur Systemischen Familienschule und einer Aufnahme- und Clearingstelle.

Alltag der Quereinsteigenden

  • In einem Wohnangebot in Minden oder Rahden sind sie als pädagogische Mitarbeitende während der Qualifizierungsmaßnahme tätig. Ihre Hauptaufgaben bestehen darin, die zu betreuenden Kinder und Jugendlichen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Lebensweg zu finden.
  • Sie gestalten gemeinsam mit dem Team das Zusammenleben, fördern ein positives Miteinander und schaffen eine vertrauensvolle und familiäre Atmosphäre.
  • Als Ansprechpartner*in in wichtigen Lebensbereichen wie Freizeit, Schule, Ausbildung und Gesundheit stehen sie den jungen Menschen zur Seite und begleiten sie durch ihre täglichen Herausforderungen.
  • In den Theoriephasen des Qualifizierungsprogramms tauchen sie in das Arbeitsfeld der teil- und stationären Kinder- und Jugendhilfe, die rechtlichen Grundlagen und die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen ein. Auch Methoden und Strategien für den pädagogischen Alltag und Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Kindern und Jugendlichen stehen auf der Agenda.

Das Versprechen an die Quereinsteigenden

  • Spannende Herausforderungen und eine abwechslungsreiche Weiterbildung mit Verantwortung
  • Offizielles Abschlusszertifikat
  • Praxisnahe Ausbildung
  • Mehrtägiges Onboardingprogramm zur Vernetzung innerhalb des Unternehmens
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement, Teamevents wie Laufen und Fahrradtour
  • Zukunftschancen: gute Übernahmechancen nach dem Qualifizierungsprogramm

Ob als umgeschulte Betreuungskraft in einer Pflegeeinrichtung oder als Informatikerin beim Bundesverwaltungsamt, als Musiker im Lehramt oder Hausnotruf-Kundenbetreuerin ganz ohne Qualifikation – Quereinsteigende bilden eine tragende Säulein vielen Berufsfeldern. Längst nicht mehr nur als Notlösung, sondern zunehmend als wichtige Stellschraube gegen den Fachkräfte- und Personalmangel verstanden, sind sie gefragt wie nie. Und mit engagierter Personalentwicklung oft sogar mittelfristig als „echte“ Fachkräfte einsetzbar.

In meinem Fachratgeber „Quereinstieg: Potenziale nutzen, Personallücken schließen [Affiliate Link]: Ein Recruitingleitfaden für Behörden und gemeinnützige Organisationen“ (Maja Roedenbeck Schäfer, Walhalla Fachverlag, 2025) erfahrt ihr mehr über die Erfolgsfaktoren eines strukturierten Quereinsteiger-Programms. Außerdem gibt es Best Practice-Beispiele u.a. aus den Bereichen Kita, Pflege und Verwaltung.

Beitragsbilder: Diakoniestiftung Salem

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