Ist Smoope das neue WhatsApp? Wir testen den Messaging-Dienst als Kanal für Bewerberdialog

Jeder Arbeitgeber steckt in dem Zwiespalt, seinen Bewerbern möglichst niedrigschwellige Möglichkeiten der Kontaktaufnahme bieten zu müssen, aber gleichzeitig dazu verpflichtet zu sein, verantwortlich mit ihren Daten umzugehen – selbst wenn es vielen Bewerbern egal zu sein scheint, welche privaten Informationen sie über welche Kanäle durch die Welt schicken. Und gerade die niedrigschwelligsten, meist genutzten und bekanntesten Möglichkeiten der Kontaktaufnahme wie WhatsApp, der Facebook Messenger oder Skype sind nicht eben berühmt für ihren sorgfältigen Umgang mit Daten. Abgesehen davon, dass zum Beispiel WhatsApp die kommerzielle Nutzung untersagt. Gleichzeitig ist WhatsApp seit Anfang 2015 in der Diskussion als DER neue Kanal fürs Personalmarketing. Ich empfehle dazu auch den Artikel Bewerber-Service to go: Mobile Messaging für eine positive Candidate Experience des Recruiting-Experten Henner Knabenreich.

Was tun? Unseren Erfahrungen nach fahren die Bewerber voll auf WhatsApp ab – wir können und wollen den Kanal nicht einfach ersatzlos streichen. Jetzt gibt es aber einen neuen Kanal für den Bewerber-Arbeitgeber-Chat, und der heißt Smoope. Wir haben ihn getestet.

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Wie funktioniert’s?

Als Bewerber lade ich mir die Smoope-App auf mein Handy und kann dann dort – genau wie bei anderen Messengern – chatten, und zwar mit Arbeitgebern. Wenn der Arbeitgeber es akzeptiert, kann ich mich theoretisch sogar direkt über Smoope bewerben, indem ich meinen Lebenslauf als PDF anhänge.

Als Arbeitgeber beantrage ich einen Zugang und kann mich dann vom Desktop/Laptop/Tablet (Browser-basiert) aus in mein Profil einwählen, um mit meinen Bewerbern zu chatten. Mit den automatisch erstellten QR-Codes und Einladungsmöglichkeiten über SMS, smoo.pe-Links kann ich Bewerber schnell auf den neuen Kanal verweisen. Im Grunde kann so der gesamte Bewerbungsprozess auf smoope umgelenkt werden: Ich kann Bewerbungen als PDF-Dateien annehmen, die Bewerberkontakte auf dem Laufenden halten (das ginge zwar bei XING auch, aber da ist die Nachrichten-Funktion noch etwas altmodischer, erinnert eher an E-Mail als an Chat), in Stellenanzeigen auf den Smoope-Kanal verweisen, Termine für Beratungschats vergeben und und und.

Was sind die Vorteile und Nachteile (z.B. gegenüber WhatsApp)?

Smoope ist ein Messaging-Dienst, der dem deutschen Datenschutzrecht Stand hält und speziell für die gewerbliche Nutzung konzipiert ist. Anders als bei WhatsApp können bei Smoope mehrere Mitarbeiter aus dem Unternehmen die Bewerberfragen beantworten. Unser WhatsApp-Berufsberatungs-Kanal funktioniert über mein Diensthandy. Wenn ich mal im Urlaub bin, kann das niemand bearbeiten, außer ich gebe ihm mein Diensthandy. Bei Smoope kann derweil einfach ein anderer angelegter Nutzer (Mitarbeiter/Administrator) übernehmen.

Fakt ist: WhatsApp stößt schnell an seine Grenzen. Das Eintippen von langen Berufsberatungsnachrichten auf dem Handydisplay ist nervig, besonders wenn man auf URLs verweisen will, hinter denen sich weitere Infos verbergen. Die Desktop-Version lässt sich mit Apple-Geräten nicht nutzen, sondern nur mit Android-Geräten, und auch dann muss ich vor jeder Nutzung die aktuellen Chats per QR-Code mit dem Handy synchronisieren. Viele Fragen benötigen eine ausführliche Antwort und ich muss die Bewerber auf andere Kanäle wie E-Mail verweisen. Bei Smoope gibt es diese Grenzen nicht. Nachteile gibt es nur einen, wenn man so will: Smoope kostet etwas, WhatsApp nicht.

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Wie sind unsere Erfahrungen?

Ganz ehrlich – wenn wir Bewerber, die uns über WhatsApp oder Facebook anchatten, darauf hinweisen, dass sie uns jetzt datengeschützt auf Smoope erreichen können, scheint es ihnen egal zu sein. Datenschutz oder nicht – nun haben wir doch schon Kontakt, warum nochmal umziehen, ist die verbreitete Einstellung. Andererseits: Wenn wir ihnen sagen, wir sind ab sofort nur noch auf Smoope für dich da, ist es auch kein Problem, weder für jüngere, noch für ältere Bewerber (Nachwuchs oder Quereinsteiger), die App eben herunterzuladen. Im Zweifelsfall hilft die Aussicht auf ein Überraschungsgeschenk, wenn sich der Bewerber über Smoope mit uns verlinkt (Wir verschicken unsere Baumwollbeutel und Trinkflaschen).

Die Chats auf Smoope funktionieren solide, es gibt nichts zu beklagen, aber auch kein Staunen über superinnovative neue Möglichkeiten. Na gut, oder doch, eine vielleicht: Schön ist die Möglichkeit, sich Nachrichten per „Sternchen“ auf Wiedervorlage zu packen.

Um alle weiteren Fragen zu klären, habe ich mit Eleftherios Hatziioannou (Lefti) gesprochen, er ist Mitgründer des Stuttgarter Startups. Die Basic-Fragen hat er im oben genannten Artikel von Henner Knabenreich bereits beantwortet (z.B. wie der Name Smoope entstanden ist – schöne Geschichte ;-)). Hier also alles, was mir sonst noch ein- und auffiel. Smoope klingt gut und unsere ersten Erfahrungen damit sind auch positiv. Aber sind denn da überhaupt Bewerber unterwegs?

Sorgt ihr auch dafür, dass die Bewerber diesen Kanal kennenlernen und nicht nur die – zahlenden – Arbeitgeber?

Vielen Dank für die weiterführenden Fragen! Als junge Firma lag unser Fokus in der Startphase darauf, möglichst viele Unternehmen auf die Plattform zu bekommen. Ohne Unternehmen keine Kommunikation! Wir freuen uns deshalb sehr, dass heute – nur 1,5 Jahre nach unserem Start – bereits 230+ Unternehmen über unser System erreichbar sind.

Besonders stolz sind wir darauf, dass wir erst vorletzte Woche ein neues Allzeithoch in Sachen wöchentliches Nachrichtenvolumen erreicht haben. Ein starker Indikator, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das spannende an unserem Ansatz ist, dass wir eine Plattform sind: Unternehmen agieren nicht isoliert mit eigenen Insellösungen, sondern profitieren von den Netzwerk-Effekten. Als Unternehmen ist es natürlich unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass unsere Lösung bekannt wird. Diverse Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen sind geplant und werden nach und nach ausgerollt. Das hilft auch allen auf unserer Plattform vertretenen Unternehmen. Darüber hinaus stellen wir auf Wunsch jedes Unternehmen auf unseren Social Media-Kanälen vor oder setzen gemeinsame Aktionen mit Partnern um, die gerade zum Start Aufmerksamkeit auf den neuen Kanal lenken.

Finden bei Smoope tatsächlich Bewerbungsprozesse statt?

Smoope ist eine Plattform für Messenger-basierte Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden. Der Schwerpunkt lag bisher auf Kundendialog. Wir verzeichnen seit Anfang des Jahres allerdings starkes Interesse aus neuen Bereichen, z.B. Personalabteilungen. Der Grund dafür? Entscheider suchen nach einer Lösung, die die Chancen des Messagings nutzbar macht und gleichzeitig Risiken minimiert. Es finden bereits Bewerberdialoge über unsere Plattform statt. Die tiefsten Einblicke haben wir natürlich in unseren eigenen Recruiting-Prozess. Auf unseren Stellenanzeigen verweisen auf smoo.pe/smoope-karriere. Darüber könnten Bewerber sich melden und bewerben. Da wir aktuell einige Stellen zu besetzen haben, erhalten wir zahlreiche Bewerbungen. Erfreulich ist, dass uns bereits mehrfach zurückgespielt wurde, dass es eine „coole Sache“ ist mit einem potentiellen Arbeitgeber auf diese Art und Weise zu kommunizieren. Es scheint also gut anzukommen bei den Talents.

Bei WhatsApp fragen uns die Bewerber häufig, ob wir nicht eine Gruppe von Bewerbern, die sich z.B. für den Beruf Erzieher interessieren, einrichten können, so dass die Bewerber sich untereinander austauschen können. Das haben wir aus Datenschutzgründen bisher nicht gemacht. Ist eine solche Funktion bei Smoope geplant und sicherer?

Gruppen-Kommunikation ist derzeit nicht möglich, da wir die individuelle Betreuung in den Vordergrund stellen. Gerade, wenn es um Bewerberdaten geht, sehen wir die Notwendigkeit, dass Gespräche mit Kandidaten getrennt voneinander stattfinden. Der Austausch unter Bewerbern kann auf andere Weise erfolgen, z.B. anonym in öffentlichen Foren, etc… Wir schließen aber nicht aus, dass wir uns gemeinsam mit unseren Partnern in diese Richtung entwickeln könnten. Voraussetzung wäre jedoch immer, dass es mit Datenschutz und -sicherheit vereinbar ist.

Du argumentierst, dass WhatsApp kommerzielle Kommunikation in den Nutzungsbedingungen ausschließt. Facebook war allerdings anfangs auch nicht als Werkzeug für Unternehmen gedacht, Gewinnspiele wurden verboten, es hieß, man nervt als Unternehmen die Leute dort, wenn man sich in ihre private Kommunikation einmischt. Trotzdem haben dort Marken wie Coca Cola einen Riesenerfolg, die Leute fühlten sich nicht genervt. Man kann man nicht leugnen, dass es sich für Unternehmen rentiert hat, sich von Anfang an bei Facebook zu engagieren. Dass es inzwischen nicht mehr so spannend ist, weil Facebook (und auch Twitter) für die Nutzer durch die ganzen sponsored Posts langweilig und nervig wird, ist klar. Aber ist es letztendlich nicht beides: Man muss eigene, sichere Kanäle bieten wie Karrierewebsite, Corporate Blog, Smoope-Profil, und aber auch die beliebten sozialen Netzwerke und Dienste bedienen?

Ich stimme Dir vollkommen zu: Jeder Kontaktpunkt zählt. Je mehr Möglichkeiten ich meiner Zielgruppe biete, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass auch der richtige Kanal im richtigen Moment zur Verfügung steht.

Ich bin Übrigens selbst ein großer Fan von sozialen Medien und habe in meiner beruflichen Laufbahn viel Erfahrung in diesem Bereich gesammelt. Als erster Social Media-Manager der Marke Mercedes-Benz weltweit habe den Einstieg der Marke in die Welt der sozialen Medien mitgestaltet. Es gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied. Seit Ende 2007 wollte Facebook, dass Unternehmen eine aktive Rolle auf der Plattform übernehmen. Deshalb gibt es seitdem auch offizielle Möglichkeiten, dort als Unternehmen vertreten zu sein und auch Werbung zu schalten. Dies ist im Falle von WhatsApp anders. Die Nutzungsbedingungen schließen die kommerzielle Nutzung bis heute aus, es gibt keine offizielle Lösung für Unternehmen vom Anbieter selbst, alle am Markt verfügbaren Lösungen kommen von Dritten, die scheinbar keinerlei Problem damit haben gegen geltende Nutzungsbedingungen zu verstoßen und Unternehmen davon zu überzeugen, sich Spam-artig in einen privaten Kanal einzumischen. Das soll jeder selbst bewerten.

Ich denke persönlich, dass es an der Zeit ist, dass Unternehmen (insbesondere Marketingverantwortliche) „reifer“ werden. Es geht nicht immer um viele Klicks, hohe Reichweiten und Öffnungsraten, sondern darum, einen Kanal nachhaltig aufzubauen und ihn nicht zu „verbrennen“. Aktuell habe ich das Gefühl, dass der Hype rund um WhatsApp zu sehr viel blinden Aktionismus führt. Ich glaube nicht, dass WhatsApp dasselbe wäre, wenn jetzt neben Familie und Freunden auch Unternehmen/Personalabteilungen dort „wüten“ 😉 Es geht nicht um „Quick Wins“, sondern zu verstehen, dass Messenger-basierte Kommunikation im Kontext von Unternehmen eine wichtige Rolle spielen wird und uns noch eine Weile beschäftigten wird. Warum es dann nicht gleich „richtig“ machen?

Kann man mit Smoope wie mit WhatsApp Audionachrichten versenden?

Der Versand von Audionachrichten ist im Moment nicht möglich. smoope unterstütze Textnachrichten, Dateiversand/-empfang (Bild-, Video, PDF-Dateien). Im Prinzip könnte der Bewerber ein kurzes Video aufnehmen und mitsenden. Audio-Nachrichten könnten aber durchaus noch kommen, wenn das ein Wunsch unserer Partner und Nutzer ist.

Was kostet Smoope denn nun für Arbeitgeber?

Es kommt drauf an. Wir schauen uns jeden Fall genau an und unterbreiten individuelle Angebote, die exakt auf die Wünsche unserer Kunden abgestimmt sind. Es gibt nämlich große Unterschiede: Das eine Unternehmen möchte gerne mehrere Kanäle aufsetzen, ein anderes arbeitet mit nur einem. Mal soll ein ganzes Team drauf zugreifen, mal nur eine Mitarbeiterin. Dann gibt es noch spezielle Wünsche, wie z.B. die Integration in bestehende Systeme.

Was ich sagen kann ist, dass wir eine einmalige Einrichtungsgebühr für Setup, Schulung und Support erheben. Hinzu kommen monatliche Nutzungsgebühren pro Mitarbeiter, der auf das System zugreifen soll. Ansonsten funktioniert unser Preismodell, wie eine Art „Flatrate“: Es gibt kein Limit für Nutzer und Nachrichten-/Datenvolumen.

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4 Kommentare

  1. Vielen Dank für den sehr gelungenen Artikel über die Erfahrungen mit smoope als Tool für den Bewerberdialog. Ich beantworte gerne auch hier im Kommentarfeld Fragen, falls welche aufkommen.

  2. Kleine Ergänzung zum Thema smoope „kostet“, WhatsApp nicht. Das kann man so sehen. Bedenken sollte man jedoch, dass unsere Dienstleistung „Datenschutz“ gewährleistet, sinnvolle Funktionen, wie z.B. Teamarbeit, web-basierten Zugriff sowie Schnittstellen für Integrationen bereitstellt. Unser Business-Modell hat keinerlei Interesse an Daten hat. WhatsApp hingegen als Teil des Facebook-Konzerns nutzt die Daten intern für das Werbe-basiertes Business-Modell von Facebook. Ausserdem zahlt jeder Nutzer eine geringe jährliche Gebühr für die mobile App. Diese ist wiederum bei uns kostenlos.

  3. Luise Fastich

    5. Juli 2018 um 13:29

    Wie sicher ist Smoope? wie wird verschlüsselt?
    Können die Entwickler von Smoope die daten entschlüsseln?
    Liegen die Daten auf deutschen Servern?

    Das sind Fragen wie leider weder auf der Internetseite noch in dem Artikel beantwortet werden, die aber wichtig sind, um die tatsächliche Sicherheit der App abschätzen zu können….

    • Maja Roedenbeck Schäfer

      5. Juli 2018 um 20:44

      Liebe Luise, warum rufst du nicht einfach direkt bei Smoope an und lässt es dir erklären? Als wir 2015 zuletzt mit Smoope gearbeitet haben, lagen die Daten auf deutschen Servern. Inzwischen sind wir drei Jahre weiter und ich habe das nicht weiter verfolgt, weil es für unsere Bedürfnisse nicht das richtige Tool war. LG, Maja

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