Ein Nobelpreisträger ist der Namensgeber des Helios Klinikums Emil von Behring, in dem Christian Weitermann seit 2024 Klinikgeschäftsführer ist. Große Fußstapfen, in die er gleichzeitig selbstbewusst und demütig tritt. Was er am Mikrokosmos Krankenhaus liebt und was in seinen Augen eine gute Führungskraft im Gesundheitswesen ausmacht, erzählt Weitermann in meinem neuen Sachbuch „Profile aus Berlin Steglitz-Zehlendorf“ – 49 Karrieregeschichten von Persönlichkeiten aus dem Bezirk (Verlag Elmar Zinke, Juni 2026).
Einen Auszug aus dem Interview lest ihr hier auf Recruiting2Go. Er ist Teil meiner neuen Serie „Chef*innen im Gesundheitswesen“. Denn wie Personal Branding-Beraterin Andrea Grundmann in meinem Blogbeitrag „Führungskräfte auf LinkedIn“ berichtet, haben nahbare Geschäftsführer*innen und CEOs mit einem modernen Führungsstil einen direkten und messbaren Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens bei der Personalgewinnung und -bindung. Grund genug, sich einige Beispiele anzusehen. Hier ein Auszug aus dem Interview.
Was verbindet Sie persönlich mit „ihrem“ Krankenhaus?
2009 habe ich mein Abitur gemacht und hatte nicht wirklich einen Plan fürs Leben. Auf den letzten Drücker habe ich mich für eine Stelle als Zivildienstleistender beworben. Ich dachte, ich könnte vielleicht „Betten schieben“, wie man so sagt. Einige Tage, nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, kam ein Anruf aus dem Behring-Krankenhaus, ob ich vorbeikommen könne. Also schwang ich mich auf mein Fahrrad. Man könne mir zwar keinen Platz im Krankentransport anbieten, hieß es, doch in der Administration der Privatklinik sei noch ein Platz frei. „Ein Zivildienst im Büro, warum nicht?“, dachte ich. „Ich hätte es schlechter treffen können.“ Und das war mein erster Berührungspunkt mit der Krankenhausadministration.
Während meines Zivildienstes verliebte ich mich in den Mikrokosmos Krankenhaus. Bis heute komme ich trotz aller politischen Herausforderungen beeindruckt zur Arbeit, weil es immer noch jeden Tag etwas Neues zu entdecken gibt. Krankenhaus ist nie gleich. Dort Geschäftsführer zu sein, ist wie Fußballtrainer zu sein: Man spielt nicht selber, muss aber dafür sorgen, dass die Mannschaft Lust auf gemeinsamen Erfolg hat und motiviert bleibt. Gerne setze ich mein Talent und Know How für etwas Sinnvolles ein. Wir stiften einen soziokulturellen Mehrwert für den Bezirk. Das erfüllt mich jeden Tag mit unfassbar viel Demut.
Wie ging es mit Ihrer Karriere weiter?
Mit einem Helios-Stipendium studierte ich Medizincontrolling an der Medical School Berlin und hängte einen Master in Krankenhausmanagement dran. Auf meine ersten drei Berufsjahre in der Unternehmensberatung consus Health – heute: Accenture – folgten sieben Jahre im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, wo ich zuerst den Geschäftsbereich Erlösmanagement leitete und dann Geschäftsführer der Diagnostik-Sparte und des Standorts Bad Belzig wurde. In all der Zeit ist der Kontakt zu Helios nie abgerissen. Meinen heutigen Chef Prof. Dr. Sebastian Heumüller kenne ich bereits aus Praktika und Vorlesungen während des Studiums. Als sich 2024 die Gelegenheit für den Wechsel in die Geschäftsführung des Helios Klinikums Emil von Behring bot, war das für mich nicht nur ein Karrieresprung, sondern eine Herzensangelegenheit.
Was macht einen guten Krankenhauschef aus?
Man braucht die Fähigkeit, schnell komplexe Zusammenhänge zu begreifen. Zur Lösung von Problemstellungen in der operativen Betriebsorganisation kann man nicht immer erst den Kasack anziehen und selbst mitarbeiten – man sollte in der Lage sein, die Herausforderungen am Tisch mit den Leuten zu verstehen. Außerdem muss man sozial kompatibel sein, denn wir befinden uns in einem „People Business“. Nicht nur erbringen wir Gesundheitsleistungen am Menschen, sondern ich muss auch Mitarbeitende für Wege begeistern, die ich für zukunftsweisend für das Krankenhaus halte. Darüber hinaus benötigt man eine Affinität zu Zahlen, Gesetzestexten und technischen Zusammenhängen. Es schadet auch nicht, wenn man Krankenhaus „ein bisschen cool“ findet.
Wenn ich einen Bürokoller bekomme, gehe ich in die Rettungsstelle und mische mich unters Volk. Anfangs haben die Mitarbeitenden damit gefremdelt und gedacht, ich mache Kontrollgänge. Wenn ich sie zum berühmten „Kaffee mit dem Chef“ einlud, saßen sie vor mir wie der Hase vor der Schlange. Aber was Mitarbeitende wirklich bewegt, erfährt man nicht, indem man sagt: „Meine Bürotür steht immer offen, kommen Sie ruhig vorbei.“ Das macht doch niemand. Und wenn, dann bekommt man in diesem Setting nicht mit, wie die Stimmung wirklich ist. Menschen motivieren kann man aus der Distanz auch schlecht.
Können Sie eine Beispielsituation beschreiben, in der Sie Ihren Führungsstil angewandt haben?
Im Frühjahr 2024 haben wir gemeinsam die Entscheidung getroffen, Rettungsstelle und Intensivstation nicht mehr von der Notfallversorgung abzumelden. Denn das war ja schlecht für alle: für den Rettungsdienst, der weitere Strecken fahren musste, für den Patienten, der weiter entfernt von seinem Wohnort untergebracht wurde, und für das Krankenhaus, wo weniger Behandlungsfälle landeten. Es geht aber weniger ums Geld, sondern um eine Haltung zur Gesundheitsversorgung. Wir sind ein Krankenhaus, wir können doch nicht einfach die Tür zu machen!
Doch um rund um die Uhr für die Notfallversorgung verfügbar zu sein, braucht es das Commitment aller Beteiligten. Wenn da unten der Bär steppt, gehen wir als Klinikleitung hin und versuchen zu unterstützen: Wo klemmt es? Wo braucht es ein Bett? Im Zweifel schieben wir auch einfach nur Patienten auf Station. Man muss mit gutem Beispiel vorangehen. Aber natürlich muss man auch manchmal die Chefkarte ziehen, wenn es notwendig ist.
Grundsätzlich bin ich jedoch kein Hierarchiefreund. Das Bild vom Geschäftsführer, der alles nur fürs Geld macht, im Vergleich zum Mediziner, der aus altruistischen Motiven handelt, mag ich nicht. Das ist mir zu einfach. Ich komme nicht aus einer wirtschaftlich, sondern aus einer künstlerisch orientierten Familie. Meine Mutter ist Journalistin, mein Vater Musiker. Meines Erachtens treten wir im Krankenhaus alle für das gemeinsame Ziel an, Menschen zu helfen. Wirtschaftlichkeit ist nur das Resultat aus einer guten Organisation der Abläufe.
Haben Sie diesen Führungsstil im Studium gelernt?
Ich hatte das große Glück, einige wirklich erfolgreiche Vorgesetzte gehabt zu haben, die mir das vorgelebt haben. Von ihnen konnte ich mir das Beste quasi abschauen. Zu meinen wichtigsten Mentoren gehören mein jetziger Chef Sebastian Heumüller, Regionalgeschäftsführer Ost bei Helios, Prof. Dr. Djordje Nikolic, Geschäftsführer von Accenture, Tim Steckel, heute Geschäftsführender Direktor der Artemed Gruppe oder Dr. Evangelos Tsekos, heute Stellvertretender Ärztlicher Direktor der Uniklinik Magdeburg.
Mich haben diese Herren in jungen Jahren durchaus beeindruckt: smart, eloquent, gut gedressed und einige von ihnen nur wenige Jahre älter als ich und beruflich schon äußerst erfolgreich. Das Geheimnis ihres Erfolgs lag nie darin, dass sie um Mitternacht noch die Krankenhausbuchführungsverordnung auswendig gelernt haben, sondern dass sie an den Menschen dran waren. Insofern war es weniger ein „vom Blatt gelernt haben“, als eine Adaptation von Skills von vielen Wegbegleitern.
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Das vollständige Interview mit Christian Weitermann, Geschäftsführer im Helios Klinikum Emil von Behring, lest ihr in meinem neuen Sachbuch „Profile aus Berlin Steglitz-Zehlendorf“ – 49 Karrieregeschichten von Persönlichkeiten aus dem Bezirk (Verlag Elmar Zinke, Juni 2026). Darin berichtet er mehr:
- über den Austausch mit anderen Klinikmanagern im Helios-Universum
- über die Geschichte des Helios Klinikums Emil von Behring, das aus einer Fusion des Behring-Krankenhauses mit der Lungenklinik Heckeshorn und dem Oskar-Helene-Heim hervorging
- über seine Zeit als Speckgürtelkind in Kleinmachnow und Stahnsdorf und seine handwerklichen Projekte abseits des Berufs
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Seit 25 Jahren publiziert der Verlag Elmar Zinke unter dem Titel „Edition Profile“ Portraitbände über ausgewählte Persönlichkeiten und Geschäftsleute in einem bestimmten Einzugsbereich, deren Arbeit die Stadt oder Region prägt und Wertschätzung verdient. Die Serie umfasst rund 200 hochwertige Kunstdrucke mit Ledereinband und Fadenbindung, die in einer Manufaktur gefertigt werden und eine Sammlerzielgruppe ansprechen.
Der Interviewband „Profile aus Berlin Steglitz-Zehlendorf“ von Maja Roedenbeck ist neu nicht bei Amazon und anderen Onlinebuchshops erhältlich (gebraucht einige Zeit nach der Veröffentlichung erfahrungsgemäß schon), kann jedoch unter der ISBN-Nummer 978-3-941294-98-1 in jeder Buchhandlung bestellt werden. Oder direkt bei mir anfragen: redaktion[at]maja-roedenbeck.de


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