Influencer-Marketing in der Diakonie Stetten: Bloggerin Fruit Fairy fühlt sich „richtig wohl“

Über den Einsatz von Influencern im Personalmarketing hatte ich hier im Blog schon berichtet. So arbeitet die Diakonie Deutschland mit Musiker und YouTuber MaximNoise zusammen. Ein ähnliches Projekt startete jetzt die Diakonie Stetten mit der Food-Bloggerin Laura alias Fruit Fairy (rechts auf dem Foto). Eine Hobbyköchin, die sonst Fotos von Fruchtsalaten und Smoothies postet, im Recruiting? Warum gerade sie ausgewählt wurde, um mit den Vorurteilen gegenüber sozialen Berufen aufzuräumen, und was dabei herauskam erzählen Milena Grieger und Monika König, Projektleiterinnen „Neue Wege der Personalgewinnung“ bei der Diakonie Stetten, im Interview.

Warum wurde gerade Laura alias Fruit Fairy als Influencerin für eine Personalmarketing-Kooperation ausgewählt?

Tipps und Tricks rund um das Influencer Markting finden Sie in dem Fachratgeber „Influencer Marketing“ von Marlis Jahnke (SpringerGabler, 2018; Amazon Affiliate Link).

Durch die Zusammenarbeit der Diakonie Deutschland mit MaximNoise sind wir auf das Thema Influencer-Marketing aufmerksam geworden. Da wir aktuell dabei sind, viele neue Wege der Personalgewinnung zu testen, wollten wir das auch mal ausprobieren.

Buchtipp zum Thema für alle, die sich erstmal in diese Methode hineindenken möchten: „Influencer Marketing“ von Marlies Jahnke (SpringerGabler, 2018, Amazon Affiliate Link)

Inhaltlich wollten wir das Influencer-Marketing nutzen, um das Thema „Vorurteile gegenüber sozialen Berufen“ aufzugreifen und suchten eineN BloggerIn. Mit Blick auf unser Budget waren wir auf der Suche nach einer Micro-InfluencerIn, also nach jemandem, der noch keine Millionen Fans hat, sondern eher über einen kleinen, aber treuen Followerkreis verfügt. Außerdem war es unser Wunsch, dass er/sie aus unserer Region kommt. So sind wir dann bei der Recherche auf Fruit Fairy gestoßen. Spezifisch nach einer Foodbloggerin haben wir nicht gesucht.  Doch die Beratung durch eine externe Agentur hat ergeben, dass die Follower von Fruit Fairy durchaus auch unsere Zielgruppe repräsentieren. Besonders passend schien uns, dass sie selbst schon ein Praktikum im Pflegebereich gemacht hat und sich sehr gut mit unserer Einrichtung identifizieren konnte. Es war das erste Mal, dass wir uns etwas Entsprechendes getraut haben, da war eine Foodbloggerin auch eine „sichere“ Wahl, die zur Marke Diakonie Stetten passt.

Wie haben Sie Laura angesprochen?

Wir arbeiten im Projekt „Neue Wege der Personalgewinnung“ mit einer Personalmarketing-Agentur zusammen. Die Agentur hat auch die Recherche, den Erstkontakt und das Projektmanagement übernommen.

Alternativ kann man Blogger auch über Blogger-Plattformen wie trusted-blogs.com (Affiliate Link), blogger-helden.de oder bloggerei.de finden und ansprechen:

In welcher Höhe lag ihr Honorar?

Auf Anfrage nenne ich gerne die konkreten Kosten. Grob gesagt sind es für einen Instagram-Post oder Blogartikel jeweils mittlere dreistellige Summen. Für ein YouTube-Video (Produktion, Schnitt, Distribution) zahlt man ungefähr das Dreifache. Dafür hat Laura sich aber auch komplett um alles gekümmert, was das Video anging, wir mussten nichts machen. Hinzu kamen noch die Agentur-Kosten für das Projektmanagement.

Was konnte über die produzierten Inhalte vorab verhandelt werden und an welchen Stellen musste Sie sich überraschen lassen?

Influencer-Marketing birgt auch Risiken. Welche das sind, erklärt der Fachratgeber „Influencer Marketing“ von Erwin Lammenett (Lammenett Verlag, 2018, Amazon Affiliate Link)

Wir wollten, dass Laura die vielfältigen Berufsbilder, für die wir ausbilden, kennenlernt davon berichtet und gleichzeitig das Thema Vorurteile aufgreift. Vor der Veröffentlichung haben wir das Material auch erhalten und konnten nochmal Rückmeldung geben. Das ist nicht selbstverständlich, hat uns aber die Entscheidung, ob wir Influencer-Marketing ein erstes Mal ausprobieren, stark erleichtert.  Uns ging es dabei nicht darum, Material zu zensieren, sondern vielmehr darum, darauf zu achten, dass auch unsere Klienten in einem positiven Licht gezeigt werden.

Warum man Influencer nicht „einfach mal machen“ lassen, sondern den Content vorher absprechen sollte, erfahren Sie im Fachratgeber „Influencer Marketing“ von Erwin Lammenett (Lammenett Verlag, 2018; Amazon Affiliate Link).

Wie haben Sie Laura Einblicke in die Arbeit der Diakonie Stetten ermöglicht und was war das Ergebnis?

Wir haben Laura eingeladen, uns einen Tag in der Diakonie Stetten zu besuchen. Die Tour führte sie unter anderem durch eine Fachschule, eine Werkstätte für Menschen mit Behinderung, eine Wohngruppe und ein Pflegeheim. Überall lernte Laura Azubis und Freiwilligendienstleistende kennen. Sie hat einen schönen, authentischen Blogpost mit vielen Fotos darüber geschrieben, in dem sie zum Beispiel von der Begegnung mit einem Klienten berichtet: „Die unglaubliche Positivität und Lebensfreude hat sich bei mir total eingebrannt. Ich habe seine Dankbarkeit sofort gespürt und seine freundliche, ungezwungene Ausstrahlung hat mich sehr berührt. Es gibt so viele Berufe, bei denen man sich mit undankbaren Menschen plagen muss – doch die Remstal Werkstätten sind genau das Gegenteil.“ Ganz nebenbei stellt sie die Karrieren einiger Mitarbeiter*innen vor und betont immer wieder, wie zufrieden alle bei uns wirken.

Laura hat auch einen Post auf Instagram abgesetzt, der in vier Tagen 1.282mal geliked wurde (Stand 7.8.18) und 66 Kommentare erhielt. „Es ist so unglaublich toll, dass du darauf aufmerksam machst!!“, schreibt Userin linakaromaria. Andere Nutzer diskutieren auch kritisch über die angeblich schlechte Vergütung in den sozialen Berufen, doch Laura verweist auf ihren Blogpost, in dem sie Zahlen nennt, mit denen wir sie versorgt haben. Nicht zuletzt hat Laura ein Video mit dem Titel „Soziale Berufe und ihre Vorurteile“ gedreht, das sogar ungewohnte 20min. lang ist:

Das Video wird von Youtube eingebettet. Bitte vor dem Abspielen die Datenschutzhinweise unter Punkt „Plugins und Tools“ beachten.

 

Laura geht konkret auf die Vergütung bei der Diakonie Stetten ein. War es schwer, in Ihrem Träger durchzusetzen, so offen mit den Zahlen umzugehen?

Nein, an dieser Stelle überhaupt nicht. Hier zeigt sich, dass wir nun schon seit Ende 2016 im Projekt „Neue Wege der Personalgewinnung“ arbeiten und das Bewusstsein, dass eine entsprechende Transparenz notwendig ist, mittlerweile besteht.  Darüber hinaus erfolgt die Vergütung tariflich und ist für jedermann einsehbar, der sich für dieses Thema interessiert. Wichtig war uns auch zu zeigen, dass sich die Gehälter in sozialen Berufen nicht verstecken müssen zum Beispiel im Vergleich zu Einstiegsgehältern in kaufmännischen Berufen.

Sind weitere Aktionen mit Laura geplant?

Bisher nicht. Es ist aber nicht ausgeschlossen.

Welche Tipps haben Sie für Träger im Sozial- und Gesundheitswesen, die sich im Influencer-Marketing ausprobieren möchten?

Bevor man blindlings mit dem Influencer-Marketing beginnt, sollte man ein wenig dazu recherchieren – online oder in Fachratgebern wie „Einstieg in das Influencer Marketing“ von Marco Nirschl und Laurina Steinberg (SpringerGabler, 2017; Amazon Affiliate Link).

Am Schwierigsten war es, Mitarbeitende und Klienten zu finden, die bereit sind, bei der Aktion mitzumachen.  Das hatten wir unterschätzt und würden wir das nächste Mal frühzeitiger abklären. Mit Blick auf das Budget hatten wir wie gesagt bewusst nach Micro-Influencern gesucht, allerdings scheinen da nicht alle so professionell zu arbeiten wie Fruit Fairy. Mit einer potentiellen Influencerin waren wir beispielsweise schon sehr weit im Gespräch und haben dann auf einmal nichts mehr gehört.

Es spricht nichts dagegen, mit dem Influencer Marketing einfach mal loszulegen und nach dem Motto „learning by doing“ besser zu werden. Um aber die Führungsebene zu überzeugen, können ein paar Experten-Tipps aus dem Fachratgeber „Einstieg in das Influencer Marketing“ (SpringerGabler, 2017; Amazon Affiliate Link) helfen.

2 Kommentare

  1. Hallo Maja,

    wie immer-auch dieses Mal wieder-ein hochinteressanter Artikel. Interessant wäre final noch zu erfahren, wieviel oder ob durch die Influencer-Kampagne danach auch definitiv hierauf zurückführbare Einstellungen getätigt werden konnten…

    Liebe Grüße
    Heiko

    • Maja Roedenbeck Schäfer

      2. September 2018 um 18:58

      Hallo Heiko, danke, das freut mich! Ich werde die Aktivitäten der Diakonie Stetten weiter im Blick behalten und sicher bei Gelegenheit auch nochmal mit ihnen über konkrete Erfolge sprechen. LG, Maja

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